Das Kino
Das Astoria am Klosterplatz erbte seinen Namen vom 1986 geschlossenen Astoria am Obertornwall und war eine Art Multiplex-Vorläufer im Mini-Format. Unten die Kasse, Treppe hoch, Kinobar, Einlaß, zwei Säle links, zwei Säle rechts. Dennoch war die Atmosphäre gelungen, wenn man sich mit dem etwas altbackenen Stil der auslaufenden 80er-Jahre anfreunden konnte.
Vor dem Film ließ es sich angenehm an der Kinobar sitzen, an der das übliche Popcorn/Haribo/Cola/Pils-Sortiment feilgeboten wurde.
Programm
Zur Eröffnung galt das Astoria als Bielefelds Premieren-Kino und der Schwerpunkt des Programms lag auf Filmen für das jüngere Publikum, was sich vor allem auf das Atrium mit sinkenden Besucherzahlen auswirkte.
Ab Ende 1998 kam es dann durch das CinemaxX zu einem enormen Besucherverlust des Kinos, da alle umsatzträchtigen Filme nun im großen Haus des Betreibers H. J. Flebbe gespielt wurden. Die Einführung eines Billig-Films (unterstützt durch eine Bielefelder Tageszeitung), das regelmäßige Spielen von Originalfassungen und die Einführung eines Studenten-Preises stabilisierten die Besucherzahlen.
Auf Bestreben der engagierten Theaterleitung der traditionellen Kinos wurde die Reihe „Cinemagic“ gestartet, die Klassiker wie Jäger des verlorenen Schatzes, Terminator 2 oder Das Boot erneut auf die große Leinwand brachte. Repertoire-Aufführungen von Mainstream-Klassikern waren zu dieser Zeit selten und die Reihe sehr erfolgreich.
Nach Ablaufen der Bestandszusage an die Kamera, die damals Voraussetzung für die Baugenehmigung für Flebbes CinemaxX war, lief das Astoria gegen Ende als „Filmkunsttheater“. Mit Eröffnung des 3-Säle Kinos Lichtwerk im Ravensberger Park im Frühling 2006 gab es schließlich zehn Säle für Filmkunst in Bielefeld. Das war vielleicht schön für das Arthaus-Publikum, aber auf Dauer nicht für alle Beteiligten wirtschaftlich zu betreiben. Daher kam die Schließung 2008 nicht völlig überraschend.
Saal 1
Saal 1 war der größte Saal im Haus.
Bei Filmen im Scope-Format (2,35:1) wurde links und rechts das Bild auf der Leinwand leicht beschnitten.
Bis zur Schließung befand sich als „Spezial-Effekt“ ein Loch in der Leinwand, das zu einer imposanten Virtualisierung tiefer Frequenzen durch ein Wellenmuster auf der Leinwand führte.
So wie in allen Sälen im Astoria war erfreulicherweise ein Vorhang vorhanden.
Tonformate: Dolby Stereo SR, Dolby Digital
Saal 2
Saal 2 war der kleinste im Astoria. Das etwas merkwürdige, fernseh-artige Format der Leinwand führte bei Scope-Filmen dazu, dass mit „schwarzen Balken“ ober- und unterhalb des Bildes vorgeführt wurde, zumindestens wurde so aber das korrekte Format gezeigt und kein Bild beschnitten.
Tonformate: Dolby Stereo SR
Saal 3
Der Blackbox-Saal im Astoria und der einzige mit dts-Ausstattung.
Der Grund dafür war, dass dieser Saal auch zum Zeigen von Originalfassungen genutzt wurde und es das dts-System erlaubt, eine von der Sprache der Filmkopie abweichenden dts-CD mit dem Originalton zu nutzen.
Tonformate: Dolby Stereo SR, dts
Saal 4
Der Nachbarsaal von Saal 3. Besonderen Kennzeichen: keine.
Tonformate: Dolby Stereo SR
Technik
Zum Zeitpunkt der Eröffnung war das Kino technisch gut ausgestattet, aber schon bald nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Während zum Beispiel in der Skala technische Neuerungen wie digitaler Ton immer schnell zum Einsatz kamen, wurde im Astoria hier nur wenig investiert. Zum Ende des Kinos waren erst zwei von vier Sälen überhaupt mit digitalem Ton ausgestattet.
Das Bild war in allen vier Sälen gut, allerdings führte deren Dimensionierung dazu, dass gemäß des damaligen Flebbe-Mottos „Die vierte Wand ist die Leinwand" keine der Leinwände breit genug für CinemaScope Filme war.
Alle Säle wurden aus einer zentralen Projektion heraus bespielt, wodurch auch ein „Interlock“, also die Nutzung einer Filmkopie für mehrere Projektoren gleichzeitig, möglich war.
Heutige Nutzung
Im baulich kaum veränderten ehemaligen Kino ist heute das private Theater Komödie am Klosterplatz untergebracht.
Für ein paar Jahre nutze das Niekamp-Puppentheater den ehemaligen Saal 3 und nennt sich trotz Auszugs seitdem Astoria Theater. Übernommen wurden die Räumlichkeiten vom Pioneers-Club.