Das Kino
Bielefelds zweites Multiplex wurde Anfang April 2000 eröffnet und befand sich in der Zimmerstraße, direkt gegenüber vom Horten-Parkhaus, dem heutigen Loom. Mehr zur Bielefelder Multiplex-Geschichte gibt es hier.
Sowohl die individuelle Gestaltung der Säle als auch die allgemeine Architektur und Atmosphäre des Kinos haben mir immer mehr zugesagt als die recht schmucklose Black-Box Gestaltung des CinemaxX.
Doch der übersättigte Kinomarkt in Bielefeld, ein auslaufender Pachtvertrag, Konzern-Fusions-Fantasien - vermutlich gab es viele Gründe, warum das Kino nach fast genau zwanzig Jahren seinen Betrieb im März 2020 eingestellt hat, bedingt durch die Corona-Pandemie sogar ein paar Tage früher als ursprünglich geplant.
Nur der Eingangsbereich ist als Zugang zur noch vorhanden Tiefgarage weiterhin geöffnet, der Aufgang zum ehemaligen Kino ist notdürftig mit OSB-Platten verschlossen worden. Die Kino-Räumlichkeiten sind bis heute ungenutzt, der Plakataushang über dem Eingang entspricht den letzten Vorstellungen, als sei hier die Zeit stehengeblieben. Mehrere Versuche einer Wiederbelebung sind trotz Ankündigungen und Anbringung eines Cine-Center Logos offensichtlich gescheitert.
Umfeld
Zur Eröffnung war das Gebäude wie eine Passage mit Durchgang zwischen Zimmerstraße und Feilenstraße gestaltet, also parallel zu einer bereits existierenden, nicht überdachten Passage am Eilers-Haus, die auch schon Akzeptanz-Probleme hatte.
Der noch immer erhaltene Eingang (siehe auch das Foto ganz oben) von der Zimmerstrasse ist, ob vom Architekten bewusst gestaltet oder zufällig, ähnlich wie eine CinemaScope-Leinwand konkav gewölbt, wobei sich in den Fensterelementen die Horten-Kacheln des gegenüberliegenden ehemaligen Horten-Kaufhauses spiegeln.
Im Eingangsbereich gab es neben der Kinokasse in der Anfangszeit des Kinos noch diverse gastronomische Angebote mit einer Auswahl zwischen Pommes, Pizza, Sushi und Cocktails. Die Läden waren alle recht laut und luden nicht zum längeren Verweilen ein. Sicherlich Geschmackssache, der auffällig häufige Betreiberwechsel und viele Leerstände sprechen aber für sich selbst.
Später wurde die Passage dann zur Feilenstraße hin geschlossen, stattdessen wurden die Räumlichkeiten für wenige Jahre von einer Bowling-Bahn genutzt.
Gastronomie
Das Kino selbst bot im ersten Stock eine einladende Kinobar und natürlich jede Menge Concession-Stände an. An der Bar konnte man vor dem Film recht gemütlich sitzen, denn schließlich hatte man ja reservierte Sitze, sowohl für Loge als auch Parkett. An der Bar wurde die Cola auch gepflegt im Glas anstatt aus dem Pappbecher serviert.
Dieser gastronomische Anspruch aus der Anfangszeit hielt jedoch nicht lange an, und so war es schon bald üblich, dem Gast zur Bestellung eines Hefeweizens nur auf Nachfrage ein Glas hervorzukramen, welches dann aber auch bitte selbst zu befüllen war.
Die zehn Säle des Kinos
Die Säle 1-4 befanden sich auf der gleichen Ebene wie die CineBar und die großen Concession-Stände und waren wie alle Säle individuell gestaltet.
In der zweiten Ebene befand sich der Zugang zum großen Saal 5.
Die Säle 6-9 sowie Saal 10 waren über die dritte Ebene erreichbar.
Verbunden waren die einzelnen Ebenen über eine freitragende Treppe sowie einen Aufzug. Da sich in den meisten Sälen der Eingang oben oder mittig befand, hatten auch Rollstuhlfahrer die Möglichkeit, Filme aus einer angenehmen Position zu genießen, da sie nicht wie in den meisten CinemaxX-Sälen direkt vor der Leinwand sitzen mussten.
Saal 1
Saal 2
Saal 2 gefiel mit seiner rot orangen Farbgebung und den aufwändigen Wandleuchten, die eine sehr nostalgische Anmutung hatten.
Saal 3
Saal 3 war weniger opulent als der Nachbarsaal, aber stimming in rot-blau gestaltet.
Saal 4
Saal 4 hatte ein dunkles Farbkonzept, das mit den Lichtstrahlen der speziellen Lampen spielte.
Saal 5
Auf der zweiten Ebene befand sich ausschließlich der Einlass zum größten Saal des CineStar Kinos.
Dieser war einige Zeit THX-zertifiziert und auch vorübergehend mit einer Lasershow ausgestattet, die weitestgehend mit der im CinemaxX identisch war.
Saal 6
Saal 6 teilte sich zusammen mit den Sälen 7 bis 10 die dritte Ebene und war in der Gestaltung als Black Box mit bordeauxrotem Teppich als dezentem Farbtupfer konzipiert.
Saal 7
Eine kühle blaue Optik mit Wandstrahlern prägte den Charakter dieses Saals.
Saal 8
Saal 8 war ähnlich wie Saal 7 gestaltet, jedoch in rot mit gekreuzten Lichtstrahlen an der Wand.
Saal 9
Saal 9 griff das Beleuchtungskonzept von Saal 2 wieder auf, war aber wie alle Säle in der dritten Ebene deutlich kleiner geschnitten und mit dunkler Bestuhlung ausgestattet.
Saal 10
Saal 10 hob sich durch die stimmungsvolle Sternenhimmel-Beleuchtung ab, die jedoch bei empfindlichen Personen Schwindel oder Unwohlsein verursachen konnte. Als einziger Saal hatte dieser keinen Vorhang.
Der Ton in Saal 10 fiel gegenüber den andere Sälen etwas ab, es fehlte der Druck im Bassbereich.
Technik
Vor der Digitalisierung verfügten alle Säle über guten Dolby Digital und Dolby SR Ton. Außerdem konnte in jedem Saal dank einiger mobiler dts Prozessoren auch dieses Tonformat wiedergegeben werden. Die für den Herbst 2000 angekündigte SDDS-Installation wurde nie realisiert.
Alle Leinwände entsprachen in etwa dem Scope-Format (2,35:1) und waren mit der Möglichkeit einer horizontalen Maskierung für schmalere Bildformate ausgestattet.
THX-zertifiziert war nur Saal 5. Dass es überhaupt einen THX-Saal gab, lag an der Konkurrenz hinter dem Bahnhof, deren beiden größten Säle ebenfalls zertifiziert waren, denn normalerweise sparte sich Kieft&Kieft die nicht unerheblichen Lizenz-Kosten bei Neueröffnungen in kleineren Städten.
Mittlerweile haben jedoch sowohl CinemaxX wie auch CineStar in allen ihren Kinos die THX-Lizenzen gekündigt.